Wohnen im Kasten: Plattenbau als Vision Die Geschichte des Plattenbaus seit 1900 zieht ins Stadtmuseum Dresden ein.
Bei Plattenbau denken viele an graue Fassaden, billige Bauweise und Wohnviertel mit sozialen Herausforderungen. Andere sehen die „Betonkästen“ als Orte lebendiger Alltagskultur, Teil der Stadtgeschichte und bezahlbaren Wohnraum, der in vielen Fällen erst ein eigenes Zuhause ermöglicht.
Alltagserfahrung und Zukunftsversprechen
Diese Vielfalt an Perspektiven findet sich auch im Stadtmuseum Dresden in der Ausstellung „Platte Ost / West. Wohnen und Bauen in der Großtafelbauweise“. Dabei zeigt sich: Plattenbau ist keineswegs ein rein ostdeutsches Phänomen, sondern prägte auch Westdeutschland, insbesondere in den 1960er- bis 1980er-Jahren. Da heute wieder verstärkt modular und seriell gebaut wird, stellt sich die Frage: Hat die Platte eine Zukunft?
Das Dresdner Stadtmuseum spannt einen Bogen von den frühen Ideen zum industriellen Bau um 1900 bis hin zu Großwohnsiedlungen in der Nachkriegszeit. Neben zeitgenössischen Modellen, Fotos und Entwurfszeichnungen zeigt die Ausstellung eine Bandbreite an Exponaten und Interviews, eine künstlerische Rauminstallation und interaktive Zugänge wie das digitale Tetris-Plattenbau-Spiel. Ein begleitender Blog liefert hautnahe Einblicke in die Recherche und Entstehungsgeschichte der Museumsschau.
Individuelles Wohnen in der Platte für die Masse
Inhaltlich geht es bei „Platte Ost / West“ um die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Hoffnungen und Herausforderungen wie auch persönliche Einblicke in den Alltag der dort lebenden Menschen. Die Ausstellung in Dresden ist auch ein Beispiel dafür, wie Architektur und Stadtplanung beeinflussen, wie die Platte-Bewohner*innen eben jenen Alltag erleben. Und auch der Blick in die Zukunft ist spannend: Was lässt sich von der Großtafelbauweise lernen im Hinblick auf bezahlbaren Wohnraum, nachhaltiges Bauen, Ressourcenknappheit und dichte Stadtviertel? Wie können wir bestehende Bauten für verschiedene Wohnformen kreativ nutzen?
Die Geschichte hinter den Häuserzeilen selbst entdecken
Die Sonderausstellung „Platte OST/WEST. Wohnen und Bauen in Großtafelbauweise“ lohnt sich für alle, die sich für Architektur, Stadtentwicklung und die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland interessieren. Zu besichtigen ist sie im Stadtmuseum Dresden in der Altstadt (Wilsdruffer Straße 2) vom 28. Februar 2026 bis zum 29. November 2026, jeweils dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr.
| Antragsteller | Stadtmuseum Dresden |
|---|---|
| Projekttitel | „Platte Ost / West. Wohnen und Bauen in Großtafelbauweise“ |
| Datum | Februar 2026 |